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Ratgeber

Regenjacke: Was bedeuten Wassersäule und Atmungsaktivität?

Von Batuhan Furkan Tarman, Trovanta · Stand Oktober 2026 · So arbeiten wir

Das Wichtigste in Kürze

Die Wassersäule gibt an, wie viel Wasserdruck ein Stoff in einer Prüfung nach ISO 811 aushält, bevor Wasser durchdringt. Je höher der Wert, desto dichter der Stoff. Der RET-Wert beschreibt die Atmungsaktivität: Je niedriger er ist, desto mehr Wasserdampf kann entweichen. Schutzkleidung gegen Regen wird nach EN 343 in Klassen eingeteilt.

Schnell entscheiden

  • Wenn Sie lange im Regen unterwegs sind oder einen Rucksack tragen,dann achten Sie neben der Wassersäule besonders auf abgedichtete Nähte und abgedeckte Reißverschlüsse.
  • Wenn Sie sich in der Jacke viel bewegen,dann achten Sie auf einen niedrigen RET-Wert oder eine höhere Atmungsaktivitätsklasse und auf Lüftungsöffnungen.
  • Wenn Sie Kleidung für die Arbeit im Freien suchen,dann achten Sie auf das EN-343-Piktogramm mit beiden Klassen.
  • Wenn auf der Jacke nur „wasserdicht“ steht,dann fragen Sie nach dem Prüfverfahren und ob der Wert nach dem Waschen noch gilt.

Auf dem Etikett einer Regenjacke stehen oft Zahlen und Normen: eine Wassersäule in Millimetern, ein RET-Wert oder ein Hinweis auf EN 343. Diese Angaben sagen viel darüber aus, wie dicht und wie atmungsaktiv eine Jacke ist, wenn Sie wissen, wie sie zustande kommen.

Was bedeutet die Wassersäule bei einer Regenjacke?

Die Wassersäule beschreibt, wie viel Wasserdruck ein Stoff aushält, bevor Wasser durchdringt. Gemessen wird sie mit einem hydrostatischen Druckversuch. Für Textilien ist dieses Verfahren in der Norm DIN EN ISO 811 beschrieben, die für alle Stoffe gilt, die wasserabweisend sein sollen. Dabei drückt Wasser von einer Seite auf eine Stoffprobe.

Der Wert wird oft in Millimetern Wassersäule angegeben, in Normen auch in Pascal. Als Umrechnung gilt laut dem Prüfinstitut SATRA: 1.000 Pascal entsprechen etwa 102 Millimetern Wassersäule. Je höher der Wert, desto mehr Druck hat der Stoff in der Prüfung ausgehalten.

Stoff ist nicht gleich Jacke

Die Wassersäule gilt für den geprüften Stoff. Eine Jacke kann trotzdem an Nähten, Reißverschlüssen, Taschen oder der Kapuze Wasser durchlassen. Achten Sie deshalb auf abgedichtete oder verschweißte Nähte und auf abgedeckte Reißverschlüsse.

Die Norm EN 343 für Schutzkleidung gegen Regen

Die europäische Norm EN 343 legt Anforderungen an Schutzkleidung gegen Niederschlag, Nebel und Bodenfeuchtigkeit fest. Sie stammt aus dem Bereich der persönlichen Schutzausrüstung, etwa für Arbeit im Freien. Geprüft werden zwei Eigenschaften: der Widerstand gegen das Durchdringen von Wasser und der Wasserdampfdurchgangswiderstand, also die Atmungsaktivität.

Für beide Eigenschaften vergibt die Norm Klassen. In der Fassung EN 343:2019 reichen sie jeweils von 1 bis 4, wobei die höhere Zahl besser ist. Bei der Wasserdichtheit werden laut dem Schweizer Unfallversicherer Suva sowohl der Außenstoff als auch die Nähte geprüft. Ab Klasse 2 wird der Stoff vor der Prüfung zusätzlich vorbehandelt, etwa durch Waschen, während Klasse 1 nur im Neuzustand geprüft wird.

Auf dem Etikett erscheint ein Piktogramm mit zwei Ziffern: Die erste steht für die Wasserdichtheit, die zweite für die Atmungsaktivität. Ältere Kleidung kann nach einer früheren Fassung der Norm mit weniger Klassen gekennzeichnet sein.

Ab wann gilt eine Jacke als wasserdicht?

Die Norm EN 343 arbeitet mit Klassen und nicht mit einer einzigen Grenze „wasserdicht ja oder nein“. Viele Regenjacken für Freizeit und Wandern sind zudem nicht als Schutzkleidung nach EN 343 geprüft. Die Angabe „wasserdicht“ und die Zahl in Millimetern sind dann Herstellerangaben.

Fragen Sie in diesem Fall, nach welchem Verfahren gemessen wurde und ob der Wert für den neuen Stoff oder nach dem Waschen gilt. Eine Angabe mit Prüfnorm ist aussagekräftiger als das Wort „wasserdicht“ allein.

Atmungsaktivität und RET-Wert

Beim Gehen oder Radfahren schwitzt der Körper, und der Wasserdampf muss durch die Jacke nach außen. Wie stark ein Stoff diesen Dampf zurückhält, beschreibt der RET-Wert, der Wasserdampfdurchgangswiderstand. Je niedriger der RET-Wert, desto mehr Dampf kann entweichen und desto atmungsaktiver ist der Stoff.

Gemessen wird der RET-Wert nach DIN EN ISO 11092 mit einem sogenannten Hautmodell, einer beheizten Platte, die Schweiß simuliert. Die Norm EN 343 verweist auf dieses Verfahren. Laut Suva enthält sie außerdem Empfehlungen, wie lange Kleidung der verschiedenen Atmungsaktivitätsklassen getragen werden sollte.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Wassersäule mit Angabe der Prüfnorm, etwa ISO 811, statt nur einer Zahl
  • Bei Schutzkleidung das EN-343-Piktogramm mit beiden Klassen
  • RET-Wert oder Atmungsaktivitätsklasse, wenn Sie sich in der Jacke viel bewegen
  • Abgedichtete Nähte, abgedeckte Reißverschlüsse und eine verstellbare Kapuze
  • Lüftungsöffnungen unter den Armen oder am Rücken
  • Pflegehinweise zu Waschen und Nachimprägnieren auf dem Etikett

Wie lange eine Jacke dicht bleibt, hängt auch von Nutzung und Pflege ab. Halten Sie sich an die Pflegeanleitung des Herstellers.

Regenjacke mit Herstellerangabe und Schutzkleidung nach EN 343 im Vergleich

Bauarten im Vergleich, ohne Rangfolge. Welche passt, hängt von Ihrem Einsatz ab.

KriteriumFreizeitjacke mit HerstellerangabeSchutzkleidung nach EN 343
Angabe zur DichtheitWassersäule laut HerstellerKlasse für Wasserdichtheit
Angabe zur AtmungsaktivitätRET-Wert, je nach ModellKlasse für Atmungsaktivität
Nähte geprüftje nach Modellja, laut Suva
Prüfung nach Vorbehandlungbeim Hersteller nachfragenin höheren Klassen ja
KennzeichnungZahl in MillimeternPiktogramm mit zwei Ziffern

Tabelle seitlich wischen, um alle Bauarten zu sehen.

Typische Fehlkäufe vermeiden

  • Nur auf die Wassersäule schauen. Sie beschreibt meist nur den Stoff. Wasser kann trotzdem an Nähten, Reißverschlüssen oder der Kapuze eindringen.
  • Den RET-Wert falsch herum lesen. Beim RET-Wert gilt: Je niedriger er ist, desto mehr Wasserdampf kann entweichen.
  • Pflegehinweise übersehen. Wie lange eine Jacke dicht bleibt, hängt auch von der Pflege ab. Lesen Sie die Hinweise zu Waschen und Nachimprägnieren.

Was die Recherche ergibt

Zusammengefasst aus unabhängigen Quellen, Stand Oktober 2026. Die Quellen stehen unten.

  • Hohe Wassersäule garantiert keinen langen Regenschutz

    In einem Wanderjacken-Test des Schweizer Partners der Stiftung Warentest blieb eine Jacke mit angegebenen 24.000 mm Wassersäule im Laborregen nur etwa 5 Minuten dicht, nach fünf Wäschen nur noch etwa 1 Minute. Mehrere Jacken fielen im Regentest durch. Als Ursache nennt der Test vor allem schlecht abgeklebte Nähte, durch die beim Nähen die Membran durchstochen wird (Stiftung Warentest, 2024).

  • Nach dem Waschen weniger lange dicht

    Laut Stiftung Warentest hielten alle geprüften Jacken nach mehrmaligem Waschen kürzer dicht als im Neuzustand, weil Waschen die wasserabweisende Ausrüstung abträgt. Die Stiftung rät, nach dem Waschen nachzuimprägnieren (Stiftung Warentest, 2024).

  • Imprägniermittel sehr unterschiedlich

    Von 14 geprüften Imprägniermitteln schnitten laut Stiftung Warentest sechs gut und sechs mangelhaft ab. Fünf Sprays enthielten PFAS, mehrere Sprays verteilten potenziell lungenschädigende Tröpfchen. Sprays sollten im Freien aufgetragen werden, Wash-in-Mittel kommen in die Waschmaschine, beachten Sie dazu die Herstellerhinweise (Stiftung Warentest, 2023).

  • Einfacher Abperltest zu Hause

    Die Stiftung Warentest empfiehlt, ein paar Tropfen Wasser auf den Stoff zu geben. Perlen sie ab und bleibt die Oberfläche trocken, reicht der Schutz noch, sonst ist Nachimprägnieren fällig (Stiftung Warentest, 2023).

  • Neue EU-Grenzen für bestimmte PFAS in Kleidung

    Seit dem 10. Oktober 2026 gilt eine EU-Beschränkung für PFHxA und verwandte Stoffe, eine Gruppe der PFAS, in Kleidung für die breite Öffentlichkeit, Regenjacken werden ausdrücklich als Beispiel genannt. Ware, die vorher in Verkehr gebracht wurde, und bestimmte Schutzausrüstung sind ausgenommen (IHK Ulm, 2026).

  • PFAS sind beim Kauf schwer zu erkennen

    Laut Umweltbundesamt haben Verbraucher kaum Möglichkeiten zu erkennen, ob ein Produkt PFAS enthält, Orientierung geben Siegel wie GOTS oder der Blaue Engel. In einer älteren Information von 2015 nennt das Umweltbundesamt zudem das Recht, beim Händler oder Hersteller nachzufragen, die Antwort muss innerhalb von 45 Tagen kommen (Umweltbundesamt, 2023 und 2015).

Mythen und Fakten

Je höher die Wassersäule, desto länger bleibe ich trocken.
Im Test der Stiftung Warentest hielt gerade eine Jacke mit sehr hoher Wassersäulenangabe im Laborregen nur wenige Minuten dicht, entscheidend waren unter anderem die Nähte (Stiftung Warentest, 2024).
Ohne Fluorchemie bleibt keine Jacke dicht.
Die Stiftung Warentest fand auch umweltfreundlichere, fluorfreie Imprägniermittel, die gut abschnitten, und im Wanderjacken-Test waren zwei der fünf in Deutschland erhältlichen Jacken frei von Perfluorcarbonen (Stiftung Warentest, 2023 und 2024).
Quellen (5)
  1. Wanderjacken im Test: Viele sind nicht ganz dicht, Stiftung Warentest
  2. Imprägniermittel im Test, Stiftung Warentest
  3. Verbot bestimmter PFAS ab April bzw. Oktober 2026, IHK Ulm
  4. PFAS sollen EU-weit beschränkt werden, Umweltbundesamt
  5. Versteckte Gefahr: PFC in Outdoor-Kleidung, Umweltbundesamt

Aktuelle Preise vergleichen

Preise ändern sich oft mehrmals am Tag, deshalb nennt Trovanta keine festen Preise. Die Preisvergleiche zeigen für „Regenjacke wasserdicht atmungsaktiv“ die aktuellen Angebote vieler Shops nebeneinander. Prüfen Sie die Angebote mit den Kriterien oben.

Häufige Fragen

Ist eine höhere Wassersäule immer besser?

Eine höhere Wassersäule bedeutet, dass der Stoff in der Prüfung mehr Druck ausgehalten hat. Ob Sie das brauchen, hängt davon ab, wie lange und bei welchem Wetter Sie draußen sind und ob Rucksackgurte auf den Stoff drücken. Wichtig ist zusätzlich, dass Nähte und Reißverschlüsse dicht sind, denn die Wassersäule beschreibt meist nur den Stoff selbst.

Warum werde ich in einer wasserdichten Jacke trotzdem nass?

Oft ist es Schweiß, der nicht schnell genug als Wasserdampf nach außen gelangt und sich innen niederschlägt. Wie gut eine Jacke Dampf durchlässt, beschreibt der RET-Wert. Auch Wasser, das an Kapuze, Ärmeln oder Saum eindringt, kann nass machen. Öffnungen zum Lüften und eine passende Kleidungsschicht darunter helfen, die Feuchtigkeit zu verringern.

Hinweis

Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und beruht nicht auf eigenen Labortests. Maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Herstellers.

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